8. Oktober 2015

Nachgefragt! bei Stefan Kampa vom städtischen Schlachthof Mannheim

Stefan Kampa ist Geschäftsführer des städtischen Schlachthofs in Mannheim und nimmt mit seinem Betrieb an der Initiative Tierwohl teil. Im Interview spricht er über die Rolle der Schlachtbetriebe innerhalb der Initiative und erklärt, welchen Einfluss sie auf die Verbesserung des Tierwohls haben.

Herr Kampa, wie kamen Sie zu Ihrer Funktion als Geschäftsführer des städtischen Schlachtbetriebs in Mannheim und was ist dabei Ihre größte Herausforderung?
Als gelernter Koch und studierter Betriebswirt habe ich lange Zeit die Kantinen der Stadt Mannheim geleitet. Dabei gab es immer wieder Berührungspunkte zum städtischen Schlachthof, da wir von dort unser Frischfleisch bezogen haben. Als dann der ehemalige Leiter des Schlachthofs in Rente ging, hat man mir die Stelle angeboten. Es stellte sich als Vorteil heraus, dass ich als Quereinsteiger in die Branche kam, da ich mir dadurch immer ein gewisses Maß an Objektivität und Verbrauchernähe bewahren konnte.

Eine meiner täglichen Herausforderungen ist es, unseren Schlachthof im Umfeld von global agierenden Betrieben gut aufzustellen. Als städtischer Schlachthof orientieren wir uns nämlich an den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes und auch die sozialen Rahmenbedingungen werden uns von der Stadt Mannheim vorgegeben. Das sind Vorgaben, die andere Betriebe nicht haben.

Sie nehmen mit Ihrem Betrieb an der Initiative Tierwohl teil. Wie haben Sie von der Initiative erfahren und warum wollten Sie mitmachen?
Als Vorstandsmitglied des Bundesfachverbands Fleisch werde ich immer sehr zeitnah über neue Entwicklungen in der Nutztierhaltung informiert und habe so auch von der Initiative Tierwohl erfahren. Dazu kamen die Landwirte, die uns früh auf die Initiative hingewiesen und uns ermutigt haben, daran teilzunehmen. Für uns ergab das auch Sinn, denn der Weg zu mehr Tierwohl kann nicht nur von den Landwirten alleine gegangen werden, sondern von der gesamten Wertschöpfungskette. Auch die Schlachthöfe sind hier in der Verantwortung und müssen zu Wort kommen. Wir produzieren ein absolut hochwertiges Produkt und die Beschäftigten in der Fleischindustrie arbeiten sehr verantwortungsvoll. Durch die Initiative können wir diesen Weg fortführen und unser Engagement für mehr Tierwohl offen darlegen.

Welche Maßnahmen zum Tierwohl setzt Ihr Schlachtbetrieb um und welche kommen im Rahmen der Initiative dazu?
Wir nehmen bereits an dem Qualitätsstandard QS teil und setzen daher diverse Tierwohlmaßnahmen um. So führen wir beispielsweise eine Betäubungskontrolle durch und haben einen Tierschutzbeauftragten benannt. Außerdem setzen wir Maßnahmen zum schonenden Umgang mit den Tieren um, das sind etwa Wartebuchten, in denen die Tiere sich in stressfreier Atmosphäre aufhalten können.

Als Teilnehmer an der Initiative Tierwohl melden wir wöchentlich die Zahl der Tiere, die uns von den dort registrierten Landwirten geliefert werden. Dafür mussten wir unser EDV-System umstellen, was mit einigen Kosten verbunden war. Zudem haben wir uns mit der Teilnahme an der Initiative Tierwohl dazu verpflichtet, mehr Schlachtbefunddaten zu erfassen als bisher und zukünftig in einer zentralen Datenbank zu hinterlegen. Welche Schlachtbefunddaten das genau sind, wird derzeit noch seitens der Initiative erarbeitet.

Wie kann die Erfassung zusätzlicher Schlachtbefunddaten das Tierwohl verbessern?
Bei der Erfassung der Schlachtbefunddaten werden verschiedene Daten zum Zustand des Tieres bei der Schlachtung gesammelt. Solche Daten wurden auch vor der Initiative schon erfasst, etwa zum Zustand der Organe. Die Kriterien der Initiative Tierwohl werden hier aber noch weiter gehen und sich zum Beispiel nicht nur auf innere Organe beschränken, sondern auch den äußeren Zustand eines Tieres berücksichtigen. So kann auf Hautveränderungen des Tieres untersucht werden, die etwa bei unsachgemäßem Transport auftreten können. Dadurch lassen sich neue Rückschlüsse auf die Haltungs- und Transportbedingungen der Tiere ziehen. Wir informieren alle Landwirte über die Ergebnisse, die dann in Zusammenarbeit mit ihrem Tierarzt an der richtigen Stelle eingreifen und so das Wohl der Tiere erhöhen können. Die genaue Ausarbeitung der zusätzlichen Befunddaten findet aktuell in einem Pilotprojekt unter Beteiligung mehrerer Schlachthöfe statt. Sobald die erweiterten Kriterien dann vorliegen, sind diese für alle Tierwohl-Schlachthöfe verbindlich, was auch zu einer guten Vergleichbarkeit der Daten führt.

Wie stellen Sie sich die Zukunft der Nutztierhaltung vor und wie sollte sich die Initiative weiterentwickeln?
Für die Zukunft der Nutztierhaltung sehe ich zwei diametral auseinandergehende Entwicklungen. Einerseits wird die Nachfrage nach günstigem Fleisch bestehen bleiben bzw. steigen und somit auch der Preisdruck in die Branche. Die Landwirtschaft ist dann natürlich gefordert, effizienter zu arbeiten und so werden auch die Bestandsgrößen weiter erhöht. Auf der anderen Seite wird es vermehrt kleine, regionale Betriebe geben, die auf höhere Tierschutzstandards setzen und sich an Verbraucher wenden, die bereit sind, diesen Einsatz auch zu honorieren.

Von der Initiative würde ich mir wünschen, dass sie ihre Erfolge noch besser kommuniziert. Verbraucher sollten wahrnehmen, dass die Branche aktuell sehr viel Geld in die Hand nimmt, um das Tierwohl deutlich zu verbessern.

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