Viele reden vom Tierwohl.
Wir machen was.
Portrait Gesa Lampe

Die Initiative Tierwohl

Bei der Initiative Tierwohl haben sich seit 2015 erstmalig Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Einzelhandel zusammengeschlossen, um Schritt für Schritt mehr Tierwohl in möglichst vielen Schweine- und Geflügelhaltenden Betrieben zu erreichen.

Landwirte, die bei der Initiative teilnehmen, setzen bestimmte Tierwohlkriterien um, für die sie eine finanzielle Förderung erhalten. Schon heute profitieren davon mehr Tiere als in jedem anderen Programm: In den über 3.400 teilnehmenden Betrieben werden pro Jahr über 14 Millionen Schweine und 235 Millionen Hähnchen oder Puten gehalten.

Die Initiative Tierwohl wird finanziert durch:

»Die Initiative Tierwohl ist ein positives Zeichen des Handels, dass auf mehr Tierwohl wert gelegt und dies auch honoriert wird. Das kann ein Anreiz für Landwirte sein, sich noch stärker mit dem Thema Tierwohl zu beschäftigen.«

Steckbrief ITW-Name-KarinKoenninger

Testimonial-KarinKoenninger-Retina
Alter:  
39
Bundesland:  
Baden-Württemberg
Betrieb:  
Putenmast und Ackerbau
Bei der Initiative Tierwohl seit:  
April 2016
Umgesetzte Kriterien:  
Unsere Puten haben mehr Platz und Picksteine als organisches Beschäftigungsmaterial. Zudem haben wir große Strohballen im Stall, an denen die Puten picken. Die Seitenwände des Stalls sind je nach Temperatur teilweise oder ganz geöffnet, sodass die Tiere das Wetter, Geräusche oder Tageszeiten von draußen wahrnehmen können.
Beruflicher Werdegang:  
Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und habe Landwirtschaft mit Schwerpunkt BWL in Weihenstephan- Triesdorf studiert. Danach konnte ich in das Gutachterbüro für Landwirtschaft meines Vaters einsteigen. Mein Mann ist auf einem Putenmastbetrieb aufgewachsen, den wir nach unserer Hochzeit vergrößert haben. Mittlerweile kümmere ich mich um unsere vier Kinder und übernehme die vielen Bürotätigkeiten, die auf unserem Betrieb so anfallen. Auch wenn wir in unserem Familienbetrieb Unterstützung durch Fremdarbeitskräfte haben, sind wir selber täglich im Stall. Denn die Tierkontrolle ist bei uns Chefsache.
Beruf Landwirtin:  
Das Schönste an der Arbeit als Landwirtin ist für mich das Leben mit Natur und Tieren. Auf dem Hof ist jeder Tag anders. Hier kann nicht immer alles geplant werden, Natur und Tiere haben ihren eigenen Kopf. Außerdem packen in einer Bauernfamilie alle mit an. Unsere vier Kinder helfen häufig mit, zum Beispiel beim Umstallen, wenn also Küken aus dem einen Stall in den anderen gebracht werden. Auch meine Schwiegereltern leben auf dem Betrieb. Bei Arbeitsspitzen ist dann die ganze Familie gefragt.
Ein typischer Arbeitstag:  
Typische Tage gibt es nicht, bei uns richtet sich alles nach den Puten. Wenn wir beispielsweise Küken bekommen haben, sind wir nahezu ununterbrochen im Stall. Wenn sie noch so klein sind, ist es besonders wichtig, ganz nah beim Tier zu sein. Beispielsweise muss auf die Stalltemperatur und die Futter- und Wasseraufnahme ein großes Augenmerk gelegt werden.
Drei Mal täglich kontrollieren wir alle Ställe, um sicherzugehen, dass es unseren Tieren gut geht. Unsere Küken stehen auf Hobelspänen, die großen Puten auf Stroh, deshalb muss auch die Einstreu fast täglich nachgestreut werden. Es gibt also immer viel zu tun.
Erfahrungen mit der Initiative Tierwohl:  
Die Initiative Tierwohl ist ein positives Zeichen des Handels, dass auf mehr Tierwohl wert gelegt und dies auch honoriert wird. Das kann ein Anreiz für Landwirte sein, sich noch stärker mit dem Thema Tierwohl zu beschäftigen. Wir experimentieren schon immer viel, zum Beispiel mit unterschiedlichem Beschäftigungsmaterial, und freuen uns, wenn wir feststellen, dass unsere Puten das gut annehmen. Erst letzte Wochen hatten wir ein unangekündigtes Sonderaudit der Initiative Tierwohl. Auch wenn solche Überprüfungen des Betriebes einen natürlich ein bisschen nervös machen, finde ich sie sinnvoll. Schließlich soll sichergestellt werden, dass die Kriterien auch richtig umgesetzt werden.
Debatte um Tierhaltung:  
Bei uns in der Region sind viele Betriebe alteingesessen und werden von den Anwohnern als Familienbetriebe akzeptiert. Auf Klassentreffen beispielsweise ist das nicht immer so. Da werde ich schon mal zum Thema Massentierhaltung befragt. Häufig beruht das auf Vorurteilen und wenn ich genau erkläre, wie unser Betrieb funktioniert, kann ich solche Vorurteile gut ausräumen. Hilfreich ist auch ein Blick in den Stall. Deshalb laden wir immer wieder Schulklassen oder den Kindergarten zu uns auf den Hof ein und zeigen, wie unser Putenbetrieb funktioniert.
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Bildergalerie vom Betrieb Könninger

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In den ersten Wochen leben die Putenküken alle in einem gut isolierten Aufzuchtstall, der anfangs in kleinere Bereiche aufgeteilt ist. Mehrmals am Tag kontrollieren Karin Könninger und ihr Mann den Stall und das Futter sowie das Wasser.

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Als organisches Beschäftigungsmaterial für die Kleinen, eines der Tierwohl-Kriterien, werden unter anderem Eierpappen in den Stall gelegt. Darauf wird herumgepickt oder gespielt.

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Wichtig für die Gesundheit der Puten ist, dass die Füße intakt sind. Dafür müssen sie auf lockerem und trockenem Untergrund stehen. Jeden Tag wird in Stichproben kontrolliert, ob es den Tieren gut geht.

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Nach der ersten Woche werden die Trennwände zwischen den Küken entfernt und die Tiere verteilen sich über den ganzen Stall. Dafür muss alles mit Spänen eingestreut werden.

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Die Futterstellen werden regelmäßig kontrolliert. Im Küken-Stall werden sie sogar noch per Hand befüllt.

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Die Tränken müssen regelmäßig gereinigt werden. Ab 2018 ist für Geflügelhalter in der Initiative Tierwohl ein jährlicher Stallklima- und Tränkewassercheck verpflichtend.

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Bei den großen Puten dienen zum Beispiel Strohballen oder Picksteine als organisches Beschäftigungsmaterial.

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Puten sind sehr neugierige Tiere. Man muss sich öfter etwas Neues einfallen lassen, um sie zu beschäftigen. Die Könningers hängen zum Beispiel zusätzlich zu den gelben Pickschalen auch Plastik-Leinen in den Stall, die die Puten bepicken können.

»Die Initiative Tierwohl ist für mich ein überzeugendes System – Lebensmitteleinzelhandel und Landwirtschaft stellen hier gemeinsam viel auf die Beine. Deshalb bin ich gerne dabei.«

Steckbrief ITW-Name-PhilippBeckhove

Testimonial-PhilippBeckhove-Retina
Alter:  
44
Bundesland:  
Nordrhein-Westfalen
Betrieb:  
Hähnchenmast, Schweinemast und Ackerbau
Bei der Initiative Tierwohl seit:  
Oktober 2015
Umgesetzte Kriterien:  
Meine Hähnchen haben mehr Platz und Picksteine als organisches Beschäftigungsmaterial.
Beruflicher Werdegang:  
Ich habe nach meiner landwirtschaftlichen Ausbildung ein Studium zum Diplom Agraringenieur in Osnabrück gemacht. Anschließend habe ich den Schweinemastbetrieb meiner Eltern übernommen und bin in die Hähnchenmast eingestiegen. Jetzt lebe ich mit meiner Frau Marion, unseren drei Kindern und meiner Mutter auf dem Hof im Münsterland. Auch zwei Auszubildenden leben auf unserem Hof. Mit so vielen Menschen unter einem Dach ist bei uns immer etwas los.
Beruf Landwirtin:  
Landwirt ist für mich ein Traumberuf, weil er so vielseitig ist. Ich bin Unternehmer, Ausbilder, Schlosser, Elektriker, Treckerfahrer, Ackerbauspezialist und Tierkenner gleichermaßen. Ich muss mich in allen Bereichen auskennen und kein Tag ist wie der vorherige. Das ist spannend und macht mir einfach Spaß. Ich genieße die Arbeit an der frischen Luft und finde es schön, zu sehen wie sich meine Tiere und Pflanzen entwickeln.
Ein typischer Arbeitstag:  
Einen typischen Tag gibt es für mich eigentlich nicht, aber ein paar Rituale habe ich dann doch. Jeden Morgen gehe ich erst mal mit dem Hund raus, wir machen einen kleinen Hofrundgang und prüfen, ob alles in Ordnung ist. Dann wird mit der ganzen Familie gefrühstückt und anschließend gemeinsam mit unseren Angestellten besprochen, wer heute welche Aufgaben übernimmt. Priorität hat dabei natürlich die Versorgung der Tiere. Gemeinsam gehen wir zwei Mal täglich durch alle Ställe und überprüfen, ob es allen Hähnchen gut geht. Viel Zeit verbringe ich aber auch abseits des Stalls oder Treckers: am Schreibtisch.
Erfahrungen mit der Initiative Tierwohl:  
Die Initiative Tierwohl ist für mich ein überzeugendes System – Lebensmitteleinzelhandel und Landwirtschaft stellen hier gemeinsam viel auf die Beine. Deshalb bin ich gerne dabei und freue mich, dass die Bereitschaft aus der Landwirtschaft schon in der ersten Vertragsperiode so groß war und so viele Landwirte teilnehmen wollten. Durch die Initiative Tierwohl werden unsere Mehrleistungen für’s Tierwohl bezahlt – so kann ich als Landwirt etwas für mehr Tierwohl tun.
Debatte um Tierhaltung:  
Ich glaube, es ist unsere derzeit größte Herausforderung, den Verbrauchern zu erklären, wie moderne Landwirtschaft funktioniert. Deshalb öffne ich gerne meinen Stall und zeige beispielsweise Jugendgruppen im Ferienprogramm, wie moderne Landwirtschaft heute aussieht. Wenn ich anderen das Prinzip der Initiative Tierwohl erkläre, reagieren die meisten begeistert. Hier kann ein ehrlicher Dialog viel erreichen.
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Bildergalerie vom Betrieb Beckhove

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10% mehr Platz haben die Hähnchen von Philipp Beckhove. Das ist eines der Kriterien, die er für die Initiative Tierwohl umsetzt. Er kann feststellen, dass sich dadurch auch die Tiergesundheit verbessert.

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Das Futter für die Hähnchen von Philipp Beckhove besteht aus Mais, Sojaschrot, Getreide und Vitaminen.

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Die Hähnchen stehen auf einer lockeren Einstreu aus Spänen. Eine trockene, lockere Einstreu ist wichtig für die Fußballengesundheit der Hähnchen.

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Mehrfach täglich prüft Philipp Beckhove, ob es seinen Tieren gut geht. Wenn etwas nicht stimmt sieht er das sofort an den Bewegungen der Tiere. Reagiert ein Hähnchen nicht so dynamisch wie sonst, wenn er in den Stall kommt, so überprüft er die Gesundheit dieses Tieres ganz genau.

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Trotz Landwirtschaft 2.0 – Philipp Beckhove überprüft regelmäßig manuell, ob die Futter- und Wasseranlagen richtig funktionieren.

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Ab 2018 ist die regelmäßige Überprüfung des Tränkewassers durch unabhängige Kontrolleure für teilnehmende Betriebe verpflichtend. Die Wasserabgabe im Stall ist digital gesteuert und auf den Bedarf der Tiere angepasst.

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Eine intelligente Waage im Stall misst das Gewicht aller Tiere, die darüber laufen. So ist Philipp Beckhove stets über das Durchschnittsgewicht seiner Tiere informiert.

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Als Landwirt ist Philipp Beckhove vieles in Personalunion: Schlosser, Elektriker, Tierexperte und Unternehmer zum Beispiel. Genau das liebt er an seinem Beruf.

»Die Initiative Tierwohl ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dass direkt so viele Betriebe mitmachen wollten, empfinde ich als einen Riesenerfolg und ein starkes Signal aus der Branche. Ich sehe jeden Tag, wie gut die Kriterien von meinen Schweinen angenommen werden.«

Steckbrief Gesa Lampe

Gesa Lampe
Alter:  
28
Bundesland:  
Niedersachsen
Betrieb:  
Schweinemast und Ackerbau, seit 14 Generationen familiengeführt
Bei der Initiative Tierwohl seit:  
Mitte 2015
Umgesetzte Kriterien:  
Meine Schweine haben 20% mehr Platz und organisches Beschäftigungsmaterial, da gebe ich ihnen unbehandeltes Holz oder Stroh.
Beruflicher Werdegang:  
Ich habe einen Master in Agrarwissenschaft gemacht. Dazwischen habe ich unterschiedliche Praktika in der Landwirtschaft gemacht. Seit drei Jahren bin ich wieder auf dem Betrieb meiner Eltern und übernehme da jetzt nach und nach die Leitung.
Beruf Landwirtin:  
Es macht mir Spaß, viel an der frischen Luft zu arbeiten und nicht immer nur am Schreibtisch zu sitzen. Bei der Arbeit auf dem eigenen Betrieb habe ich viel Gestaltungsspielraum und kann unseren Familienbetrieb zukunftsfähig aufstellen. Außerdem kann ich als Landwirtin Beruf und Familie später perfekt verbinden. Das haben mir meine Eltern schon so vorgelebt: Für sie war der Beruf nie Last, sondern immer Leidenschaft.
Ein typischer Arbeitstag:  
Auf dem Land gibt es keine typischen Tage. Wenn wir Schweine verladen, muss ich richtig früh raus. Dafür sehe ich dann den Sonnenaufgang und freue mich, nicht im Büro sitzen zu müssen. Die Digitalisierung hat manches erleichtert: Das Wachstum meiner Zuckerrüben kann ich mit der Drohne kontrollieren. Den Blick zum Tier ersetzt das natürlich nicht. Die meisten Tage verbringe ich zwischen Schweinestall und Schreibtisch.
Erfahrungen mit der Initiative Tierwohl:  
Die Initiative Tierwohl ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dass direkt so viele Betriebe mitmachen wollten, empfinde ich als einen Riesenerfolg und ein starkes Signal aus der Branche. Ich sehe jeden Tag, wie gut die Kriterien von meinen Schweinen angenommen werden.
Debatte um Tierhaltung:  
Kritik aus der Bevölkerung nehme ich mir zu Herzen. Als Landwirtin will ich, dass es meinen Tieren gut geht. Ich finde, wir sollten alle weniger verallgemeinern. Wir Landwirte haben es lange versäumt, zu zeigen, wie moderne Landwirtschaft aussieht. Ich merke aber auch, dass ein ehrlicher Dialog gut ankommt: Wenn ich den Menschen die Initiative Tierwohl erkläre, finden das die meisten richtig gut.
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Bildergalerie vom Betrieb Lampe

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Im Betrieb Lampe haben die Schweine 20 Prozent mehr Platz, als gesetzlich vorgeschrieben. Die Familie hält dafür weniger Schweine pro Bucht, als möglich.

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Ein Kriterium der Initiative Tierwohl ist organisches Beschäftigungsmaterial auf dem die Tiere herumkauen können. Holz ist eine Variante dafür.

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Auch Stroh kann als organisches Beschäftigungsmaterial oder als Raufutter genutzt werden.

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Zu den Grundanforderungen, die jeder Betrieb bei der Initiative Tierwohl erfüllen muss, gehört auch ein Mindestmaß an Tageslicht. Dieses ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.

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Gesa übernimmt den elterlichen Betrieb, der seit 14 Generationen in Familienhand liegt. Neben der Schweinemast betreibt die Familie auch Ackerbau.

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Wichtig für Gesa ist es, den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen. Dazu gehört es auch, schrittweise mehr Tierwohl umzusetzen. Seit 2015 ist der Betrieb Teil der Initiative Tierwohl.