Kriterien

Tierhalter, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen, müssen bestimmte Tierwohlkriterien umsetzen. Diese wurden von Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Tierschutz entwickelt und liegen alle über den gesetzlichen Standards. Es gibt bestimmte Grundanforderungen, die jeder Tierhalter umsetzen muss und die für die Programmlaufzeit 2018-2020 noch einmal erhöht wurden. Schweinehaltende Betriebe können zusätzliche Wahlkriterien wählen. Abhängig von den gewählten Kriterien und der Anzahl an Tieren erhält der Tierhalter ein bestimmtes Tierwohlentgelt. Mit diesem soll der Aufwand für die Umsetzung der Kriterien ausgeglichen werden.

Grundanforderungen

Schweinemast
Ferkelaufzucht
Sauenhaltung
Geflügelhaltung
Basiskriterien
Voraussetzung für Tierhalter, bei der Initiative Tierwohl zugelassen zu werden, ist die Teilnahme am QS-System. Als Qualitätssicherungssystem definiert QS strenge Herstellungs- und Vermarktungskriterien entlang der gesamten Wertschöpfungskette für frische Lebensmittel, so auch Fleisch. Im Rahmen der Kontrollen für die Initiative Tierwohl muss ein Tierhalter die Umsetzung ausgewählter Basiskriterien aus dem QS-System z. B. zu tierschutzgerechter Haltung, Hygiene und Tiergesundheit nachweisen; für die Einhaltung dieser Kriterien verpflichtet er sich mit seiner QS-Teilnahme.
Antibiotikamonitoring
Für alle teilnehmenden geflügel- und schweinehaltenden Betriebe wird die Abgabe oder Anwendung von Antibiotika in einer privatwirtschaftlich geführten Antibiotikadatenbank von QS (Qualität und Sicherheit GmbH) erfasst. Dieses Monitoring schafft eine Datengrundlage, die es Tierhaltern und Tierärzten ermöglicht, Handlungsbedarf zu erkennen und ggf. Reduzierungsstrategien einzuleiten. Die Einhaltung der Kriterien in der Initiative Tierwohl, z.B. bis zu 40% mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben, Einsatz von Raufutter oder zusätzlichem organischem Beschäftigungsmaterial, können aktiv zur Verbesserung der Tiergesundheit beitragen. Der Einsatz von Antibiotika ist nur im Krankheitsfall nach Verschreibung durch den Tierarzt zulässig.
Stallklimacheck
Zu den obligatorischen Grundanforderungen der Initiative Tierwohl für Schweinehalter zählt der jährliche Stallklimacheck. Dieser wird von speziell geschulten Fachexperten durchgeführt. Sie untersuchen alle Lüftungssysteme der Stallanlage und beurteilen die Luftqualität, mögliche Schadgase und Lufttemperatur. Was optimal ist, hängt vom Alter ab. Ein Ferkel beispielsweise braucht höhere Umgebungstemperaturen als ein älteres Schwein. Deshalb gibt es verschiedene Regler zur Klimaführung, die auch regelmäßig geprüft werden müssen, zum Beispiel Wärmelampen oder Ferkelnester.
Tränkewassercheck
Zu den obligatorischen Grundanforderungen der Initiative Tierwohl für Schweinehalter zählt der jährliche Tränkewassercheck. Dieser wird von speziell geschulten Fachexperten durchgeführt. Das Tränkewasser beproben sie nach festgelegten chemischen und mikrobiologischen Parametern. Dafür werden Tränkwasserproben aus den Ställen durch Fachlabore ausgewertet. Eine gute Qualität des Tränkwassers ist ein wichtiger Baustein für Gesundheit und Wohl der Tiere.
Zusätzliches (organisches) Beschäftigungsmaterial
Den Tieren werden zur Befriedigung ihres Spieltriebs Spielzeuge zur Verfügung gestellt. Bei Schweinen ist hier es Voraussetzung, dass das Spielzeug aus natürlichen Materialien wie Holz, Sisal und Naturkautschuk besteht. Das können zum Beispiel Bälle, Stricke oder Klötze sein. Für Geflügel muss es veränderbares und sich verbrauchendes Material sein. Das können bspw. Stroh, Heu oder Picksteine sein.
Tageslicht
Betriebe, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen, müssen für ein Mindestmaß an Tageslichteinfall in den Ställen sorgen, während der Gesetzgeber keine Vorgaben zu Tageslicht macht.
Schlachtbefunddatenprogramm
Damit Tierhalter künftig das Wohlbefinden und den Gesundheitszustand ihrer Schlachttiere noch besser beurteilen und vergleichen können, werden Befunde von Schlachttieren in Kürze zentral erfasst und indiziert. Ziel ist die Etablierung eines Tierwohl-Index für Tierhalter zum Wohl ihrer Tiere.
Gesundheitsplan
Sauen haltende und Ferkelaufzuchtbetriebe müssen einen Gesundheitsplan nach betriebsindividuell festgelegten Parametern pflegen, um die Gesundheit der Sauen und Ferkel sowie deren Entwicklung, so auch Verluste, zu dokumentieren.
Mehr Platz
Den Tieren von teilnehmenden Betrieben stehen mindestens 10% mehr Platz zur Verfügung als gesetzlich vorgeschrieben. Die Tierhalter, die sich für dieses Kriterium entscheiden, verringern entsprechend die Besatzdichte im Stall.
Bezug von Küken
Hähnchen- und Putenhalter müssen Küken von Brütereien beziehen, die QS lieferberechtigt sind.
Fußballengesundheit
Damit die Fußballen der Hähnchen und Puten gesund bleiben, muss der Tierhalter darauf achten, dass der Boden mit einer trockenen, lockeren und weichen Einstreu bedeckt ist. Das ermöglicht den Tieren, ihr natürliches Verhalten in Form von staubbaden, picken und scharren auszuleben.
Vorausstallen
Ein Teil der Hähnchen wird zehn bis zwölf Tage kürzer aufgezogen als die anderen Tiere. Diese Tiere sind entsprechend kleiner und darum z.B. für die Verwendung als Brathähnchen (Griller) geeignet. Damit es zu keiner unnötigen Unruhe oder sonstigen Beeinträchtigungen der Herde kommt, müssen die Tierhalter beim Vorausstallen besonders umsichtig und nach bestimmten Vorgaben vorgehen.
Fortbildung der Tierhalter
Die Haltung von Nutztieren ist eine sehr komplexe und vielschichtige Verantwortung. Damit die Tierhalter diese Verantwortung tragen können, müssen sie immer auf dem aktuellen fachlichen Stand sein und dazu regelmäßig an Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen. Hier werden verschiedene relevante Kenntnisse zum Beispiel zu Themenfeldern wie Haltungsmanagement, Versorgung der Tiere und rechtlichen Vorgaben vermittelt.
Tierwohlkontrollprogramm
Damit Tierhalter künftig das Wohlbefinden und den Gesundheitszustand ihrer Tiere noch besser beurteilen und vergleichen können, werden Befunde von Schlachttieren in Kürze zentral erfasst. Zum Beispiel werden hier anhand der Fußballengesundheit Rückschlüsse auf die Haltungsbedingungen im Stall gezogen. Ziel ist die Auswertung ausgewählter Indikatoren zu Befunddaten und die Etablierung eines Tierwohl-Index zur Überprüfung des Wohls der Tiere. Auch der Tierhalter muss zu diesem Zweck seine Beobachtungen während der Aufzucht und Mast selbst dokumentieren. Weitere Informationen stellen Schlachthöfe bereit.

Wahlkriterien Schwein

Schweinemast
Ferkelaufzucht
Sauenhaltung
20% mehr Platz
Neben der Mindestanforderung von 10% mehr Platz können sie sich außerdem für 20% mehr entscheiden.
Raufutter
Den Schweinen steht ständig Raufutter wie Stroh, Heu oder Kleie zusätzlich zum regulären Futterangebot zur Verfügung. Die rohfaserreichen Futtermittel können die Tiergesundheit fördern.
Saufen aus offener Fläche
Die Tiere haben wie ihre Artgenossen in freier Wildbahn die Möglichkeit aus einer Wasseroberfläche anstatt eines Wasserventils oder eines Rohres zu saufen, zum Beispiel aus einer genügen großen Tränkschale.
Scheuermöglichkeiten
Um dem natürlichen Putzverhalten der Tiere entgegen zu kommen, werden den Schweinen Scheuermöglichkeiten mit rauer Oberfläche, zum Beispiel Holzbalken, zur Verfügung gestellt, die die Tiere gerne annehmen.
Gruppenhaltung spätestens ab dem 6. Tag nach Belegung
Sauen, die in einem für die Initiative Tierwohl zugelassenen Betrieb gehalten werden, der dieses Kriterium gewählt hat, werden spätestens ab dem 6. Tag nachdem sie belegt sind, in einer Gruppe gehalten, da Schweine Herdentiere sind. Laut Gesetzgebung können trächtige Sauen bis zu vier Wochen nach dem Deckakt einzeln gehalten werden, damit die Befruchtung besser gelingt.
Lüftkühlungsvorrichtung
Alle Stallbereiche müssen eine stationäre automatische Vorrichtung zur aktiven Kühlung der Luft haben, damit sich Ställe z. B. in wärmeren Perioden gut klimatisieren lassen.
Mikroklimabereich
Ferkel haben ein stärkeres Wärmebedürfnis als ausgewachsene Tiere. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu wärmen, stellt der Tierhalter einen erwärmten Bereich zur Verfügung, in dem sich die Ferkel gerne wie in einem Nest aufhalten.

Hier finden Sie die detaillierten Kriterien zum Download:

Kriterien und Teilnahmebedingungen für Geflügelhalter im Detail:

Kriterien und Teilnahmebedingungen für Schweinehalter im Detail:

Häufig gestellte Fragen für Tierhalter

Gibt es einen Sanktionskatalog?
Nein, jeder Verstoß gegen die Programmanforderungen wird immer einzelbetrieblich betrachtet und als Einzelfall bewertet.
Was passiert, wenn der Betrieb vergrößert wird, der Tierbestand aufgestockt wird oder weitere Kriterien hinzukommen sollen?
Sämtliche Kriterien müssen immer für alle Tiere und alle Bereiche des angemeldeten Betriebs (VVVO-Nummer, Produktionsart) eingehalten werden, also auch für die neuen Betriebsteile und die zusätzlichen Tiere. Ein Zahlungsanspruch auf Tierwohlentgelt für die zusätzlichen Tiere besteht allerdings erst nach erfolgreichem Bestätigungsaudit durch die Zertifizierungsstelle. Auch für eine Ausweitung der Kriterien gilt: Diese Änderung muss zuvor über den Bündler bei der Trägergesellschaft angemeldet werden und dann in einem Audit überprüft werden. Erst nach bestandenem Bestätigungsaudit besteht ein Zahlungsanspruch.
Wie können Kriterien geändert werden?
Im Ausnahmefall und frühestens nach 12 Monaten können die Kriterien geändert werden. Diese Änderung muss zuvor über den Bündler bei der Trägergesellschaft angemeldet werden und dann in einem Audit überprüft werden. Erst nach bestandenem Bestätigungsaudit wird die Änderung wirksam.
Müssen alle angemeldeten Kriterien eingehalten werden?
Ja, sämtliche angemeldeten Kriterien müssen erfüllt werden. Es genügt nicht, nur einen Teil einzuhalten: wenn ein Kriterium nicht erfüllt ist, hat der angemeldete Betrieb (VVVO-Nummer und Produktionsart) das Audit nicht bestanden. Achtung: es gibt nur die Bewertung „bestanden“ oder „nicht bestanden“. Nicht erfüllte Kriterien können nicht über Korrekturmaßnahmen abgearbeitet werden.
Sind die Audits unangekündigt?
Jeder Betrieb wird zweimal pro Jahr überprüft. Es gibt unterschiedliche Arten von Audits, also Kontrollen auf dem Tierwohl-Betrieb. Das umfassende Audit (mit Dokumentenprüfung) wird maximal 24 Stunden vor Kontrolle angemeldet. Zusätzlich gibt es ein zweites jährliches Audit. Hier werden nur die Kriterien im Stall untersucht und es findet völlig unangekündigt statt. Die Stallklima- und Tränkewasserchecks können Landwirte selbst beauftragen.  
Weitere häufig gestellten Fragen