Gewinner Innovationspreis

Am 7. April 2022 hat die Initiative Tierwohl bereits zum dritten Mal den Innovationspreis Tierwohl vergeben. Gekürt wurden diesmal drei herausragende Projekte von Schweinehaltern: Platz eins der „Schweine-Krankenwagen“, Platz zwei das „Haltungskonzeptes kombinierter Stall- und Freilandhaltung“ und Platz drei das „Stallsystem zum Erhalt des Ringelschwanzes“. Die Preisträger erhielten den Zuschlag für eine finanzielle Förderung.

Die Initiative Tierwohl Geschäftsführer Robert Römer (links) und Dr. Alexander Hinrichs (rechts) mit den strahlenden Gewinnern
Die Initiative Tierwohl Geschäftsführer Robert Römer (links) und Dr. Alexander Hinrichs (rechts) mit den strahlenden Gewinnern

Die offizielle Preisverleihung fand im Rahmen einer Kleinveranstaltung statt, durch die Moderator und Journalist Jörg Thadeusz führte. Die Laudationes hielten auch dieses Jahr die Jurymitglieder Professor Dr. Lars Schrader (Friedrich-Loeffler-Institut), Professor Dr. Folkhard Isermeyer (Thünen-Institut) und Professor Dr. Harald Grethe (Albrecht Daniel Thaer-Institut).

Die Portraits der Gewinner und ihre Projekte haben wir Ihnen nachfolgend zusammengestellt.

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Ingrid und Arjan Luiten-Vreeman

Alter: beide 59

Bundesland: Nordrhein-Westfalen

Beruf: Landwirt

Innovation:
Um erkrankte Tiere möglichst schnell und für die Tiere schonend in die Krankenbucht zu bringen, hat Familie Luiten-Vreeman einen Krankenwagen für Schweine entwickelt.
1. Preis „Schweine-Krankenwagen“, Familie Luiten-Vreeman Ingrid und Arnet Luiten-Vreeman haben sich schon immer Gedanken gemacht, wie sie die Tierhaltung in ihren Ställen weiter verbessern können. Eine konkrete Situation hat sie besonders beschäftigt:  Trotz aller Bemühungen kann es bei jeder Form der Tierhaltung dazu kommen, dass sich Tiere Verletzungen zuziehen oder erkranken. Im Sinne des Tierwohls gilt es dann, schnell zu handeln, damit es dem Schwein bald wieder besser geht. Der Schweine-Krankenwagen setzt genau hier an: Durch einen absenkbaren Boden sowie zwei Öffnungsmöglichkeiten vorne und hinten kommen die Tiere auch in verletztem Zustand gut in den Krankentransporter rein und wieder raus. So müssen die Schweine nicht mehr selbstständig in die separate Bucht laufen – was für ein verletztes oder krankes Tier sehr anstrengend sein kann. Auch für den Tierhalter ist der Wagen eine enorme Erleichterung: Er kann das betroffene Tier unkompliziert und sicher zur weiteren Versorgung in den dafür vorgesehenen Bereich transportieren. So wird der Stress für Tier und Tierhalter reduziert und der Heilungsprozess kann möglichst schnell beginnen. Das Video zu Familie Luiten-Vreeman finden Sie hier.
Krankentransport zur Krankenbucht
Der Krankenwagen bringt erkrankte Tiere möglichst schnell und schonend in die Krankenbucht.
Das erkrankte Tier erreicht die Krankenbucht.
Der Krankenwagen ermöglicht einen sicheren und schonenden Transport.
Der Krankenwagen verfügt über zwei Öffnungsmöglichkeiten vorne und hinten.
Der Krankenwagen verfügt über einen absenkbaren Boden.
Der Krankenwagen reduziert den Stress für das Tier und den Tierhalter.

Manuel Schneider

Alter: 41

Bundesland: Hessen

Beruf: Landwirt

Innovation:
Familie Schneider verfolgt einen Ansatz, der die positiven Aspekte der Stall- und Freilandhaltung kombiniert. Inspiriert wurden Sie hierzu in Spanien bei der Besichtigung eines Freilandbetriebes mit iberischen Schweinen.
2. Preis „Meat by Nature“, Familie Schneider Sie bauten in Deutschland einen Offenfrontstall mit Stroh, der direkt mit der Weide verbunden ist. So haben die Schweine das ganze Jahr Zugang zur Weidefläche. Dort erwartet die Tiere neben einer Suhlmöglichkeit auch eine Einweichanlage, die im Sommer für eine zusätzliche Abkühlung sorgt. Der Stall mit Tränke und Trockenfutterautomaten wird nicht nur zum Fressen und Saufen aufgesucht, sondern bietet den Tieren im Sommer und Winter Schutz vor besonders hohen beziehungsweise niedrigen Temperaturen. Im Liegebereich wurde dafür zusätzlich eine Kleinklimazone errichtet, in die sich die Schweine bei starken Winden und Kälte zurückziehen können. Eine weitere Besonderheit auf dem Hof der Schneiders: In der Mast leben aktuell rund 250 Schweine unterschiedlichen Alters zusammen in einer gemischten Herde. Das Fleisch der Tiere wird direkt über den eigenen Hofladen und einen Online-Shop vermarktet. Das Video zu Manuel Schneider finden Sie hier.
Offenstall mit Stroh
Der Offenstall mit Stroh ist direkt mit der Weide verbunden.
Duroc-Schwein
Kleinklimazone im Liegebereich
Familie Schneider auf ihrem Hof.
Der Stall bietet Tieren im Sommer und Winter Schutz vor extremen Wetterlagen.
Gemischte Herde mit 250 Schweinen.

Jan-Hendrik Hohls

Alter: 43

Bundesland: Niedersachsen

Beruf: Landwirt

Innovation:
Jan-Hendrik Hohls hat sich in den letzten Jahren mit vielen Möglichkeiten zur Verbesserung der Schweinehaltung beschäftigt. Sein großes Anliegen: Der Verzicht auf das Kupieren der Ringelschwänze. Hierfür hat ein ganzheitliches Stallkonzept entwickelt und umgesetzt, in dem die Schweinehaltung mit Ringelschwanz gut möglich ist.
3. Preis „Stallkonzept“, Jan-Hendrik Hohls Die installierten Buchtenstrukturen in dem komplett individuell angefertigten Ferkelstall bieten den Tieren viel Abwechslung: Die jungen Schweine können sich zwischen wärmendem Kunststoff oder kühlem Spaltenboden entscheiden. Über einen zusätzlichen Balkon mit Treppe wurden nicht nur zusätzliche Temperaturbereiche, sondern auch neue, interessante Orte zur Bewegung geschaffen. Neben dem Balkon ist außerdem ein sogenanntes Sozialgitter installiert, das den Kontakt zwischen den einzelnen Buchten fördert. Wasser können die Ferkel aus Tränkenippeln oder offenen Schalen aufnehmen. Fressen bekommen die Tiere aus einem tiefen Trog. Das kommt der arttypischen und natürlichen Futteraufnahme eines Wildschweins sehr nahe. Zusätzliche Abwechslung gibt es etwa durch die Zugabe von Fasern oder Torf in einer Wühlschale. Auch in den weiteren Stallbereichen hat Hohls zahlreiche Veränderungen umgesetzt, die von der Umstellung auf sehr strukturiertes und faserreiches Futter für die Sauen bis zum Anbau eines Strohauslaufs in der Mast reichen. Das Video zu Jan-Hendrik Hohls finden Sie hier.
Schweinemast auf dem Hof von Jan-Hendrick Hohls.
Schweinmast mit Ringelschwanz
Strohauslauf mit Sozialgitter
Hohls Ferkelstall wurde komplett individuell angefertigt.
Ferkel brauchen in den ersten Tagen eine sehr warme Umgebungstemperatur.
Ferkelbalkon mit Treppe und Sozialgitter
Jan-Hendrick Hohls bietet den Tieren Sisalseile als organisches Beschäftigungsmaterial an.
Schwein scheuert sich an einer Bürste.
Jan-Hendrick Hohls ist ein Familienmensch.

Innovationsförderung in der Wissenschaft

Auch zwei wissenschaftliche Projekte erhielten in diesem Jahr den Zuschlag für eine finanzielle Förderung.

  • Antragsteller: Prof. Dr. Lars Schrader, Friedrich-Löffler-Institut
  • Laufzeit: 1. April 2022 bis 30. November 2023
  • Fördervolumen: 204.321,08 €

Projektbeschreibung:

Masthähnchen bevorzugen naturgemäß erhöhte Aufbaummöglichkeiten, um artgemäß ruhen und schlafen zu können. Um den Tieren eine tiergerechtere Haltungsumgebung zu bieten, können solche Aufbaummöglichkeiten in Form von erhöhten Ebenen angeboten werden. Ziel des Projektes ist es, die Nutzung der erhöhten Ebenen durch die Masthähnchen zu untersuchen und die Präferenz für die Oberfläche der erhöhten Ebene zu ermitteln (geschlossen und eingestreut vs. Plastikgitterroste). Es wird erwartet, dass Masthähnchen, die erhöhte Ebenen vermehrt nutzen ebenfalls ein geringes Ängstlichkeitsverhalten gegenüber dem Menschen und neuen Objekten zeigen. Zudem werden geringere Verschmutzungen am Bauch der Tiere sowie geringe Veränderungen an den Fußballen erwartet.

Außerdem soll im Projekt untersucht werden, wie sich die Emissionen bei der Nutzung von erhöhten Ebenen mit verschiedenen Oberflächen im Stall entwickeln. Da der Kot bei geschlossenen erhöhten Ebenen sowohl auf der erhöhten Ebene als auch darunter gelagert wird, entsteht eine weitere Emissionsquelle. Dies würde bei der Nutzung von perforierten Ebenen nicht entstehen. Dafür werden mittels 5 Sensoren die Konzentrationen von NH3, CO2 und Staub kontinuierlich erfasst, um Aussagen über die Emissionen treffen zu können.

  • Dr. Gé Backus, Connecting Agri & Food GmbH
  • Laufzeit: 1. Dezember 2021 bis 29. Februar 2024
  • Fördervolumen: 169.050,00 €

Projektbeschreibung:

Das Stallklima trägt zum Wohlbefinden der Tiere bei und ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Tierwohls. In der Praxis gibt es häufig große Stallklimaunterschiede und die Tierhalter kennen das tatsächliche Klima in Ihrem Stall oft nicht genau. Bereits im Jahr 2019 wurde das Projekt „Kluger Stall“ im Rahmen des Innovationspreises gefördert, um ein System zu entwickeln, das den Betrieben einen Einblick in das Stallklima erlaubt. Ziel des Projektes war die regelmäßige, systematische Erfassung von Klimadaten (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Ammoniak- und Kohlendioxidgehalt) in Schweinehaltenden Betrieben. Die Daten wurden mittels Sensoren erfasst und digital ausgewertet. Die Ergebnisse aus dem Projekt haben gezeigt, dass eine systematische Erfassung und Auswertung von Klimadaten technisch möglich ist und die Tierhalter bei der Klimaführung unterstützt. 

Im Rahmen des Innovationspreises 2021 wird das Projekt nun weitergeführt. Im Projekt Kluger Stall 2.0 sollen aus den Informationen, die im ersten Projekt gesammelt wurden, Handlungsempfehlungen für einzelne Betriebe und möglichst allgemein gültige Empfehlungen für alle schweinehaltenden Betriebe in der ITW abgeleitet werden. Zudem sollen Zusammenhänge zwischen der Klimaführung und Parametern des Haltungssystems, des Fütterungssystems, des Antibiotikaeinsatzes und der eingesetzten Genetik untersucht werden. Im Projekt werden bei 15 teilnehmenden Betrieben Klimadaten mittels Sensoren erfasst werden. In der Auswertung der Daten werden die Daten der QS-Monitoringprogramme (Schlachtbefunddaten und Antibiotikaeinsatz) berücksichtigt.