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4. August 2015

Drei Fragen an… Auditor Sven Maaßen zu den Kontrollen der Initiative Tierwohl

Auditor Sven Maassen Initiative Tierwohl QS

Sven Maaßen kontrolliert als Auditor schweinehaltende Landwirte, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen. Nur wenn die Betriebe die Kontrollen der Initiative Tierwohl bestehen, können sie weiter daran teilnehmen, sodass ihre Produkte mit entsprechendem Fleischsiegel vermarktet werden können. Im Interview erzählt der Auditor, wie solche Überprüfungen ablaufen, worauf er dabei achtet und warum es den Tieren durch die Initiative Tierwohl besser geht.

Herr Maaßen, was genau kann man sich denn unter einem Auditor vorstellen und wie kamen Sie zu dem Beruf?

Sven Maaßen: Ein Auditor ist jemand, der durch Befragen, Beobachten und Zuhören überprüft, ob gewisse Vorgaben eingehalten werden. Das passiert in sogenannten Audits. Für die Initiative Tierwohl bedeutet das, dass ich Landwirte besuche und kontrolliere, ob sie alle angegebenen Tierwohl-Kriterien richtig einhalten. Zu dem Beruf kam ich, weil ich mich schon früh für die Landwirtschaft interessiert habe. Mein Großvater hatte einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, später habe ich Agrarwissenschaften studiert. Während des Studiums habe ich dann als Praktikant an Auditierungen teilgenommen und bin seit 2004 im Bereich Zertifizierung tätig.

Wie laufen die Kontrollen der Initiative Tierwohl ab?

Sven Maaßen: Sobald ich auf den Hof komme, findet zunächst eine kurze Begrüßung und Vorstellung der beteiligten Personen statt. Anschließend gehe ich mit dem Landwirt kurz den Ablauf der Kontrolle durch und lasse mir den Betrieb anhand der Betriebsdaten und Lagepläne erklären. Danach begehen wir dann gemeinsam die Ställe und Außenanlagen des Betriebs. Dabei überprüfe ich jedes Tier und achte auf die Einhaltung der sogenannten Basiskriterien, die jeder Betrieb erfüllen muss, und die darüber gewählten freiwilligen Maßnahmen. Dabei geht es um die Tierhaltung, die Tiergesundheit und Hygiene im Betrieb. Alle Maßnahmen tragen dazu bei, die Haltung für Tiere artgerechter zu machen. Auch Kriterien wie 20% mehr Platz müssen eingehalten werden. Dafür zähle ich die Tiere und vermesse die für sie nutzbare Fläche, um zu sehen, ob sie tatsächlich so viel Platz haben. Nach der Begehung des Betriebs erfolgt die Einsicht in die für die Initiative Tierwohl relevanten Unterlagen, etwa das Antibiotikamonitoring. Die Ergebnisse der Auditierung werden in einem Bericht festgehalten und mit dem Landwirt besprochen.

Werden Sie selber eigentlich auch kontrolliert?

Sven Maaßen: Ja, die Prüfsystematik der Initiative zum Tierwohl sieht eine jährliche Begleitung jedes Auditors durch die Zertifizierungsstelle und mind. alle zwei Jahre von Beauftragten der Initiative Tierwohl vor. Meines Wissen nach sind – wie ich auch – alle zugelassenen Tierwohl-Auditoren mit Beginn der Tierwohl-Audits innerhalb der ersten zwei Monate begleitet worden. Dabei wird die Vorgehensweise auf dem Hof bewertet und überprüft, ob alles ordnungsgemäß verläuft. Darüber hinaus sind verschiedene andere Kontrollmöglichkeiten vorgesehen, wie z.B. Parallelaudits. Das bedeutet, dass kurz nach einem Audit, eine erneute Auditierung stattfindet um den ersten Auditor zu überprüfen.

Im Sinne des 4-Augen-Prinzips müssen Auditberichte zudem auch immer von einer zweiten Person in der Zertifizierungsstelle freigegeben werden. Auch ich gebe Auditberichte anderer Auditoren frei und überprüfe die Berichte dabei noch einmal auf ihre Plausibilität.

Wie schätzen sie die Wirkung der Initiative Tierwohl ein – geht es den Tieren dadurch besser?

Sven Maaßen: Zuerst einmal ging es den Tieren auch vorher schon gut. In den vergangenen Jahren haben viele Betriebe sehr viel Geld in neue Stallanlagen und die Stalleinrichtung investiert und letztendlich kann ein Landwirt auch nur mit gesunden und zufriedenen Tieren eine gewisse Leistung erbringen. Von einigen Landwirten höre ich auch, dass sie sich gerne für mehr Tierwohl einsetzen würden, die Umsetzung dafür aber einfach zu teuer wäre. Hier ist die Initiative Tierwohl besonders wertvoll, weil sie Anreize schafft, Maßnahmen umzusetzen. Durch die Initiative Tierwohl erhalten viele Tiere jetzt zum Beispiel Raufutter. Das ist für die Tiere eine willkommene Abwechslung und macht sie länger satt und zufrieden. Auch das größere Platzangebot ist natürlich sehr gut für das Tierwohl. Alle Maßnahmen helfen dabei, die Tierhaltung nachhaltiger und artgerechter zu machen.

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